Als die Idee keimte

Natürlich, die Aulakonzerte gab´s längst. Ein perfektes Angebot für Klassik-Fans. Doch was war sonst in Greven los? „Das Programm der Jugendwoche bot zumeist ganz tolle Veranstaltungen“, erinnern sich Hilde Doebel und Roland Post an jene Zeit vor 25 Jahren, als die Idee für den etwas anderen Kulturverein keimte. Weil, wie der Name schon sagt, die Jugendwoche Kultur und Unterhaltung für nur eine Woche bot, rottete sich ein Kreis junger Familien zusammen, die ein bisschen mehr wollten.

„Kulturangebote übers Jahr war unser Ziel“, erinnert sich Post, der gemeinsam mit Ehefrau Anne, der Nachbarin Gabriele Braun-Munzinger, den Freundinnen Hilde Doebel, Christa Lausch und Gaby Ahaus, Matthias Wallmeyer und dem damaligen Grünen Ernst Reiling an dieser Idee feilte.

Ein Treffen in Jürgen Hornemanns weißen Häusern an der Königsstraße, wo in den 1980er Jahren die Posts lebten und eine halbe Flasche Remy Martin gaben die Initialzündung für den Start von Grevens neuem, noch namenslosen Kulturverein. Später folgten Treffen im Obergeschoss des Cafés am Marktplatz.

„Jazz, Kabarett, Lesungen, Kleinkunst – das waren unsere Vorstellungen“, erinnert sich Hilde Doebel, die Anfang der 1990er Jahre Vorsitzende der Kulturinitiative (KI) wurde.

Künstlern aus der Region wollte man zudem Vorzug einräumen. Da die eigenen Räumlichkeiten fehlten, gab es in Greven in den ersten Jahren eine KI-Wanderbühne. Die stand mal im Kolpinghaus, mal im Kellerlokal „River Kwai“, aber auch bei Bauer Bernhard Hellmann auf der Deele. „Je nach den Veranstaltungen haben wir die Lokalitäten ausgesucht“, erzählt Hilde Doebel.

Dass der neue Kulturverein in den Anfangsjahren als arg linkslastig verschrien war, sehen die beiden als Vorurteil. Dass sehr bald auch der ehemalige CDUFraktionsvorsitzende Bernhard Hellmann zu den Förderern gehörte, räumte mit diesem Vorurteil bald auf.

Mit einer „Stunde der Nachdenklichkeit“ startete der Reigen der Veranstaltungen im Kolpinghaus. Erstaunlich viele Zuhörer folgten 1987 der lyrischen Lesung Sadi Ücüncüs.

Eine Besonderheit in diesen ersten Veranstaltungsjahren: Die Kulturinitiative bot den vielen jungen Familien eine Kinderbetreuung an.

Doch ehe die ersten Veranstaltungen über die Bühne gehen, saß die Schar der jungen Kulturtreibenden im Büro des Rechtsanwalts Günther Doebel. Er hatte die Regularien zur Vereinsgründung vorbereitet. Die fünfseitige Satzung unterschrieben letztlich Ernst Reiling, Gabriele Braun-Munzinger, Christa Lausch (verstorben), Jutta Rekau, Eva Mattern (verstorben), Gaby Ahaus, Hildegard Doebel und Matthias Wallmeyer.

„Improvisation statt Professionalität“, erinnern sich die Mitgründer Doebel und Post an „the very beginning“. Quittungen, die auf Bierdeckeln ausgestellt werden, Künstlerverträge mit Handschlag oder auf Schmierzettel sind Belege für die engagierten Kulturschaffenden, die sich nach langen Überlegungen auf den Namen Kulturinitiative festlegen. Dass das bald geläufige Kürzel KI allenthalben auch mit künstlicher Intelligenz in Verbindung gebracht wird, akzeptieren die KI’er schmunzelnd.

Apropos Improvisation: Die wurde gleich bei einer der ersten Veranstaltungen überlebenswichtig. Das Kabarett „Die frechen Frauen“ musste krankheitsbedingt kurzfristig sein Gastspiel stornieren. „Über den Kulturverein Münster hat man uns dann einen Volker Pispers empfohlen“, erinnert sich Hilde Doebel. Den schwarzhaarigen Bartträger kannte 1987 niemand. Ein Dutzend Zuhörer war gleichwohl total begeistert vom Auftritt des münsterischen Kabarettisten im „River Kwai“.

Auch der Künstler war mit sich und der KI zufrieden. Bei der anschließenden Party in Doebels Küche im Josefsviertel wurde das Fundament für eine lange Künstlerfreundschaft gelegt zwischen Pispers und der Kulturinitiative. Dass die selbst gemachten Nudeln aus dem Hochdrucktopf an der Decke landeten, tat dieser Freundschaft keinen Abbruch und verursachte gottlob auch keine Verletzungen.

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