Die KI und ihre Veranstaltungsstätten: Domizile für Kunst und Kultur

Kultur und Kunst eine Heimat schaffen – das war für die junge Kulturinitiative von Beginn an ein Thema. „Wir haben eigentlich seit unserer Gründung nach geeigneten Räumlichkeiten gesucht.“ Kellerlokale wurden gesichtet, Schuppen und Säle angeschaut. Sie waren entweder zu teuer oder als Veranstaltungsräume völlig ungeeignet. Vermieter beäugten die Suchenden mit Skepsis. Die ersten drei Jahre wählten die Vorstände daher immer geeignete Räumlichkeiten aus. Mal war´s das alte Kolpinghaus, mal die Kellerkneipe „River Kwai“ an der Martinischule, auch Bauer Hellmann stellte schon mal die Deele seines Bauernhofes zur Verfügung. „Ein bisschen haben wir auch geschaut, wowelche Veranstaltung am besten hinpasste“, erinnert sich Hilde Doebel, die über zwei Jahre Vorsitzende der KI war.

Drei Jahre nach der Gründung hatte die Suche ein Ende. Eine Halle an der Emsdettener Straße wurde zur ersten Bleibe. Malermeister Ernst Vennemann stellte den jungen Kulturtreibenden die rund 240 Quadratmeter große Halle mit bescheidenen Sanitäranlagen und einem kleinen Vorraum zur Verfügung.

Das spornte die junge Truppe an, die zuvor in nicht ganz einfachen Verhandlungen mit den politischen Parteien und der Stadt Greven einen Mietkostenzuschuss erzielen konnte, der über viele Jahre Basis des Wirtschaftens bei der Kulturinitiative war. Rund 15 000 Mark musste die KI für ihr erstes Domizil im Jahr bezahlen. Mit ganz viel Engagement wurden die Räume hergerichtet. Wände geweißt, ein großer schwarzer Vorhang genäht. Über 100 Stühle aus dem Provinzial- Casino in Münster bildeten die erste Bestuhlung der Kulturwerkstatt an der Emsdettener Straße.

Fünf Jahre hieß es an der Emsdettener Straße „Vorhang auf“, zu den immer regelmäßiger stattfindenden Veranstaltungen. Doch dann meldete Malermeister Vennemann plötzlich Eigenbedarf an. Die KI war wieder heimatlos.

Aber nicht ideenlos. Dafür sorgte vor allem Michael Zirbel, der 1993 als Neubürger und Leiter des Planungsamtes nach Greven gekommen war. „Wir haben ein wenig das sozio-kulturelle Umfeld abgeklopft und sind rasch auf die KI gestoßen“, erinnert sich der heutige Gütersloher Planungsamtsleiter an die zarten Bande, die er als Neubürger zur KI knüpfte. „Zuerst nur Besucher, dann Mitglied, dann Thekendienst, Vorstandsarbeit. . . .“ Kurzum: 1995 war Michael Zirbel Vorsitzender, Nachfolger von Susanne Töppe, der damaligen Stadtbibliothekarin.

Beruflich stand in jenen Jahren das Gelände der Grevener Baumwollspinnerei in Zirbels Mittelpunkt. Die GBS hatte ihre Produktion eingestellt – komplizierte Eigentumsverhältnisse und viele Nutzungspläne machten in der Stadt die Runde. Auch die historischen Gemäuer wären beinah´ dem Abriss preisgegeben worden. Doch in zähen, verwaltungsseitig auch strittigen Verhandlungen löste die Stadt die historischen Gebäude, die Ende des 19. Jahrhunderts nach den Plänen des Architekten Phillip Manz entstanden waren, aus dem GBS-Paket. Noch ehe die Nutzungsmöglichkeiten gänzlich gereift waren, hatte die Kulturinitiative die Hand erhoben. „Da möchten wir hinein“, war das einstimmige Votum der Mitgliederversammlung. Ballenlager und Kulturschmiede, die heutigen Spielstätten der KI, standen wegen des hohen Renovierungsbedarfs noch längst nicht zur Verfügung. Auch das ans Ballenlager angrenzende Magazin, das heutige Foyer, war mit recht geringem Renovierungsaufwand für die Erfordernisse der KI fit zu machen. „Der eine suchte etwas. Der andere bot etwas an“, fasste Michael Zirbel die Gemengelage zwischen Stadt und KI zusammen.

Dass mit dem damaligen Bürgermeister Rudolf Steingrube jemand am Ruder saß, für den der Umbau der historischen GBS ein Herzensanliegen wurde, förderte das Ansinnen der KI, die allerdings schon bei ihrem Einzug 1996 wusste, dass man jetzt ein nahezu perfektes Provisorium als Spielstätte haben würde. „So wurde die Kulturinitiative zum ersten Mieter auf dem GBS-Gelände.“ Bis 1999 gingen Konzerte, Theater und Kabarett im ehemaligen Werkzeug-Magazin der GBS über die Bühne. Als die Stadt in diesem Jahr Ballenlager und Kulturschmiede feierlich eröffnete, war Zirbel bereits an seiner neuen Wirkungsstätte in Gütersloh.

Der KI ist er bis heute verbunden, immer wieder auch als Gast. „Sie ist eine große Bereicherung für eine kleine übersichtliche Stadt. Alles Gute bis zum 50. Geburtstag“, wünscht der Mann mit dem die KI auf dem GBS-Gelände angekommen ist.

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